Let’s talk about money, queens!

Foto: Michael Korkia

Neben dem Billardtisch standen leckere Snacks bereit, im Kühlschrank gab es kühle Drinks: Bei dem meet up „CTRL+F: From finance fear to money queen“, das ein Frauenteam vom Start up Taxfix als Kick off zu einem neuen Female Hub auf die Beine gestellt hatte, war die Hemmschwelle, über das Tabuthema Geld zu reden, deutlich abgesenkt.

CTRL+F: Kick off für das neue Female Hub bei Taxfix am Alexanderplatz
(Werbung wegen Nennung – unbezahlt) Foto: Michael Korkia

Das lag auch daran, dass das Panel bewusst nicht mit professionellen Anlageberaterinnen, sondern mit Frauen besetzt war, die über ihre eigenen Erfahrungen mit Geld plauderten und eben nicht ultimative Anlagetipps und schlaue Strategien von sich gaben, sondern auch von den Fallstricken innerer Glaubenssätze und Blockaden berichteten – und wie man die überwindet. Neben mir saßen Stella Warmuth, ehemals VP Global Group Sales bei Air Berlin und „mom-to-be“, die davon berichtete, wie sie im Austausch mit anderen und inspiriert durch verschiedene Bücher ihre eigene Finanzplanung entwickelt hat, und Olga Ginzbourg, Strategic Project Manager bei einem FinTech, die ein Immobilienportfolio in Berlin managed.

Panel-Queens: Olga Ginzbourg, Anne van Dülmen und Stella Warmuth
Foto: Michael Korkia

Frauen wurden sehr lange Zeit davon abgehalten, überhaupt über ihr eigenes Geld zu verfügen – so Marie-Therese Komm, die die Diskussion moderierte. Erst seit 1962 dürfen verheiratete Frauen in Deutschland ein eigenes Konto haben, seit 1977 dürfen sie ohne Erlaubnis des Ehemannes arbeiten – die Option auf finanzielle Freiheit gibt es also noch nicht einmal 50 Jahre. Mein Highlight des Abends war insofern eine Frage aus dem Publikum, ob es denn ratsam sei, angesichts der aktuellen Lage in China seine Aktien zu halten. Sowieso gingen richtig viele Arme hoch, als Stella fragte, wer denn schon investiert hat. Wenn das die Generation Z ist, mache ich mir wenig Sorgen!

Popcorn, Drinks und Kurse checken
Foto: Michael Korkia

Es ging aber nicht nur um Aktien, Zinseszins und Altersvorsorge, sondern auch um die Bedeutung von Geld für unser Leben und unsere Entscheidungen. Zum Beispiel auch um die Frage, wie finanzielle Unabhängigkeit von Frauen unsere Beziehungen verändert und wie man mit seinem/r Partner*in über Geld redet. Unser Fazit: Es einfach ganz offen und sachlich zu tun ist wahrscheinlich sogar der beste Test – denn wer dem anderen Erfolg gönnt und wem die finanzielle Versorgung des betreuenden Elternteils in der Erziehungszeit gemeinsamer Kinder wichtig ist, der wird schon mal nicht die schlechteste Wahl als Lebenspartner*in sein.

Olga’s Lösung zum Ausgleich des „Gender Pay Gap“: Bei jeder Verhandlung einfach die 25%, die Frauen weltweit durchschnittlich weniger verdienen, auf die eigene Forderung draufschlagen. Und sowieso: Immer mehr verlangen, als es die Komfortzone einem so einflüstert.

Olga knows how to earn MORE money!
Foto: Michael Korkia

Stella stellte ein grundsätzlich für jede Gehaltsstufe nutzbares System vor, mit dem man seine Finanzen planen und so immer 10% des verfügbaren Geldes für den Aufbau von finanzieller Freiheit investieren kann: 50% sind für die notwendigen Ausgaben (Necessity), 10% für Vergnügen (Play), 10% für Weiterbildung (Education/Development), 10% für Geschenke und Spenden (Giving) und 10% für langfristiges Sparen (Long-term Savings) reserviert. Haptische Menschen können zum Beispiel für die Kategorie „Play“ ein Marmeladenglas nehmen und das Budget mit Bargeld ansparen[1]. Ich selbst verkneife mir gerade “unnötige” Ausgaben und füttere mit dem Ersparten meine Sparbüchse. Wenn ich nach vier Wochen den dringenden Wunsch danach noch verspüren sollte, kann ich immer noch zuschlagen. Oder das Geld eben lieber behalten.

Finanzplanung mit Stella: easy und für jeden Geldbeutel
Foto: Michael Korkia

Zum Abschluss versuchten wir, mit einer „Vision 2040“ in die Zukunft zu schauen. Was, wenn weiter immer mehr Frauen finanziell unabhängig werden, beruflich aufsteigen und ihr Geld investieren? Wie wird das die Welt verändern? Schon jetzt werden Beziehungen und Familie neu gelebt, genauso wie Führung und Arbeit in Politik und Wirtschaft. Grundeigentum und Vermögen könnten künftig gerechter verteilt werden. Und wer weiß, vielleicht könnte sogar eine neue Stabilität und Nachhaltigkeit im Markt entstehen – denn Frauen investieren statistisch nicht so risikofreudig wie Männer, dafür aber langfristiger und dadurch im Ergebnis sogar oft erfolgreicher.

Ob es trotz allem immer noch ein Tabu ist, über Geld zu reden? Ja, aber warum – das versteht man nach diesem Abend eigentlich nicht mehr. Da war kein Neid, kein Besserwissen, keine Geheimnistuerei, kein Shaming. Sondern ganz viel Neugier, Mut und die Erkenntnis, dass es eben einfach nur Geld ist – und wir alle unseren Weg zu finanzieller Unabhängigkeit finden können, wenn wir uns darum kümmern. Man kann auf diesem Weg nicht nur viel über sich selbst lernen und unbewusste Verhaltensmuster aufdecken, sondern auch Klarheit über die eigenen Ziele gewinnen. Ein paar Männer haben übrigens auch ganz zufällig reingeschnuppert. Wie es sich wohl anhört, wenn sie sich über sowas austauschen? Next level: Männer mit Frauen zusammenbringen, um über Geld zu reden.


[1] Stella’s Buchtipp dazu: Secrets of the Millionnaire Mind by T. Harv Eker.

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