Nachhaltiger Luxus

Weihnachten! Und wie jedes Jahr versuchen wir kurz nach der Bescherung, über die Feiertage unser Zuhause von dem über die Jahre angesammelten Spielzeug zu befreien. Ich meine alles aus der Zeit, als noch nicht das meiste elektronisch war, denn das ist in dieser Hinsicht wirklich eine große Befreiung: Nintendo, minecraft und Planet Zoo nehmen einfach deutlich weniger Platz weg im Zimmer. Wir haben immer mal wieder ausgemistet, und doch ist überall noch irgendwas, in den Kinderzimmern, im Keller, auf dem Dachboden. Ein Irrsinn. Wohin nur damit? Wer will alte Kuscheltiere oder Playmobil und Lego Friends, bei dem die Hälfte fehlt? Klar, man kann die Sachen spenden oder verschenken, Bücher in Bibliotheken bringen und manches bei Ebay Kleinanzeigen einstellen. Flohmarkt macht auch Spaß. Es gibt Menschen, die sich darüber freuen. Aber es bleibt ein Riesenaufwand. Oder der Recyclinghof.

Natürlich haben die Kinder zu Weihnachten wieder neue Sachen bekommen. Aber auf den Berg an bunten Geschenken unter dem Weihnachtsbaum verzichten? Fühlt sich komisch an, darauf freuen sich alle doch schon seit Wochen. Zumindest solange die Kinder noch Kinder sind, erscheint es unvorstellbar, sich gegen den Konsumwahnsinn zu stellen. Mit den Unmengen an Wegwerf-Deko, den endlosen Rollen Geschenkpapier und den Schleifen aus Plastik, den abgeholzten Christbäumen, der CO2-relevanten Autoreisewelle heim zur Familie und dem Gänsebraten ist das Fest der Liebe definitiv nicht mehr ökozeitgeistkonform. Bestimmt gibt es Möglichkeiten, das besser zu machen. Aber zurück zu den Kindern und ihren Geschenken. Da hätte ich eine Idee.

Immer mehr Menschen möchten nachhaltig Geld anlegen. Das ist gar nicht so einfach, denn auch in einem „grünen“ Fonds können Titel von Unternehmen stecken, die zwar auf dem Papier eine gute CO2-Bilanz haben, aber nicht unbedingt den eigenen Vorstellungen entsprechen. Bankaktien zum Beispiel. In diesem Zusammenhang ist mir ein Gedanke gekommen, wie man Weihnachten für eine „nachhaltige Investition“ nutzen könnte. Einige werden meinen Vorschlag ablehnen, aber vielleicht kann man ihn auch nur in Teilen umsetzen und damit schon einiges bewirken: Wie wäre es, nicht das 300. Spielzeug zu verschenken, sondern das Geld für die Kinder anzulegen? Ihnen (und uns) so zu zeigen, wie sich nicht ausgegebenes Geld über die Jahre ansammelt und vermehrt und wie kurzlebig so mancher Konsum sein kann?

Ich stelle mir vor, wir hätten über all die Jahre nicht das fünfte Set Playmobil gekauft. Keine Barbiepferde, die laufen können. Keine Kuscheltiere, die Geräusche machen und nach einer Woche schon langweilig sind. Ich stelle mir vor, wir hätten stattdessen jedes Jahr für jedes Kind an Geburtstag und Weihnachten nicht solche teuren Geschenke gekauft und sagen wir einmal jeweils 150 Euro auf die Seite und angelegt. Auch die Verwandten und Geburtstagsgäste hätten ihnen wenigstens anteilig Geld geschenkt, so dass pro Jahr noch einmal etwa 100 Euro zusammengekommen wären. Mit zwölf Jahren wären ohne Probleme etwa 5.000 Euro auf dem Konto. Ich stelle mir vor, was daraus mit Zinseszinseffekt werden könnte, bis sie 18 sind… Gerne natürlich mit „grünen“ Anlagen.

Jetzt werden natürlich viele sagen: Aber unsere Kinder spielen immer total gerne mit den Sachen! Ihre Freunde und Verwandten wollen doch kein Geld schenken, sondern was Persönliches! Stimmt. Und unsere Kinder wären wahrscheinlich mit zehn ausgezogen. Aber sie hätten dafür einen ordentlichen Haufen Kohle auf dem Konto statt zugemüllte Kinderzimmer. Vor allem aber hätten wir ihnen nicht systematisch dieselbe Konsumsucht anerzogen, die wir selbst seit den Siebzigern alle Jahre wieder inhaliert haben.

Ich werde das trotz allem auch nächstes Jahr wahrscheinlich nicht so krass umsetzen. Ich mag ja Weihnachten. Ich mag Schenken. Ich mag auch Playmobil und Kuscheltiere. Aber ich mag es nicht, unnötige Dinge zu kaufen, „weil man noch ein Geschenk braucht“. Immerhin: Unsere Kinder werden dieses Jahr ein eigenes Konto bekommen, am besten bei einer nachhaltigen Bank. Die Hälfte der Oma-Geschenke wird überwiesen. Jetzt wissen sie wenigstens schon mal, was eine IBAN ist.

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