Valentinstag! Über Geld, Liebe und Glaubenskämpfe

Heute nimmt eine meiner Töchter Rosen mit in die Schule – für ihre Freundinnen. Die andere freut sich auf die Überraschung, wer in der Klasse eine Rose geschenkt bekommt. Den auf Wunsch auch anonymen Übergabeservice konnte man Tage vorher bei Schüler*innen der höheren Klassen für zwei Euro bestellen.

Der Valentinstag ist eine Tradition, die es fast in alle Ecken der Welt geschafft hat und es lohnt sich, den ellenlangen Beitrag dazu auf Wikipedia mal zu überfliegen. Die Ursprünge sind offenbar nicht ganz geklärt, aber klar ist: Der große Durchbruch kam durch eine Frau. Esther Howland kam im 19. Jahrhundert in den USA auf die Idee mit den Grußkarten als Massengeschäft und wurde so eine sehr erfolgreiche Unternehmerin. Inspiriert war sie durch eine britische Valentinskarte mit Papierspitze und Blumendekorationen. Heute werden die Postkarten natürlich immer mehr durch E-Cards oder oder Grüße per Social Media und Messenger-Apps ersetzt. Trotzdem freuen sich jedes Jahr die Hersteller von Valentinstrash, Floristen und die Süsswarenindustrie auf den Tag der Liebe.

Aber der Valentinstag ist nicht nur eine riesengroße Geldmaschine. Er wird auch auf den Heiligen Valentin zurückgeführt und gilt als christliches Erbe. Die Kirche konnte ihn bestimmt gut gebrauchen, denn der in der Romantik aufkommende Mythos der ewigen Liebe und die damals entstandene Dichtung festigen bis heute die Institution der Ehe. Von den roten Rosen zum weißen Hochzeitskleid war es nicht mehr weit. Die Romantisierung der Ehe ist schließlich auch ein sehr subtiles Instrument, um die patriarchale Ordnung gegen die „Gefahren“ der Emanzipation der Frau zu verteidigen. Insofern braucht man nur daran zu erinnern, was dieser „Vertrag“ in Deutschland bis in die jüngste Vergangenheit beinhaltete: bis 1962 durften verheiratete Frauen kein eigenes Konto haben, bis 1977 keinen Job ohne Erlaubnis des Ehemannes annehmen und bis 1997 war eine Vergewaltigung in der Ehe nicht strafbar.

Als Fest der Liebe findet der Feiertag aber auch in vielen anderen Ländern und Kulturen Anklang – und wird zum Teil aktiv bekämpft. So wehren sich zum Beispiel die Inder gegen den Valentinstag, da er einerseits ein Einfallstor für „westlichen Imperialismus“ sei und andererseits „das öffentliche Eingeständnis der Liebe“ der indischen Kultur fremd. Der Islam hält den Brauch vollends für christliches Teufelszeug – so wird er etwa in Malaysia und im Iran als Untugend unterbunden. In Japan hat man (bzw. die Süßwarenindustrie) eine eigene Variante gefunden: dort schenken die Frauen (scheinbar in der Regel Sekretärinnen) ihren männlichen Kollegen Schokolade in unterschiedlichen Varianten: die „ultra-obligatorische (billige) Schokolade“ oder die „Schokolade der Gefühle“. Geliebte Menschen bekommen „tomo-choko“, also die „Schokolade für Freunde“. Und in Italien gibt es den Brauch der „Liebesschlösser“.

Ein bisschen erinnert das Ganze ja an den Weihnachtsmann-Kult, der mit Hilfe von Coca Cola die Welt erobert hat. Aber eins bleibt festzuhalten: Die Menschen lieben es, einen Feiertag zu haben, an dem sie anderen Menschen ihre Liebe zeigen dürfen, mit Herzen, Liebesschlössern, Blumen und Schokolade. Sie feiern das zutiefst menschliche Gefühl, ein offenes Herz füreinander zu haben und sich zueinander zu bekennen, ob als Liebespaar, Freunde oder in der Familie und in allen Farben des Regenbogens. Auch wenn die Religionen dieses Ritual verbieten, ausnutzen oder für ihre Zwecke verändern wollen und der Kommerz es fest im Griff hat – der Drang, seine Zuneigung öffentlich zu zeigen und sich dadurch Kraft und Freude zu schenken, ist kulturübergreifend zum Glück nicht totzukriegen. Das sollten wir uns nicht nehmen lassen – ob heute oder an sonst irgendeinem Tag im Jahr. In diesem Sinne: Happy Valentine!

Ein Gedanke zu “Valentinstag! Über Geld, Liebe und Glaubenskämpfe

  1. Justin Hamilton sagt:

    Long time reader, first time commenter — so, thought I’d drop a comment..
    — and at the same time ask for a favor.

    Your wordpress site is very simplistic – hope you don’t mind me asking what theme you’re using?

    (and don’t mind if I steal it? :P)

    I just launched my small businesses site –also built in wordpress like yours– but
    the theme slows (!) the site down quite a bit.

    In case you have a minute, you can find it by searching for
    „royal cbd“ on Google (would appreciate any feedback)

    Keep up the good work– and take care of yourself during the coronavirus scare!

    ~Justin

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